Rhythmus - "der innere Arzt, der uns gesund erhält"

Ärzte Zeitung, 14.11.2006


Anthroposophische Medizin / Streß macht krank, weil Menschen aus dem Rhythmus gebracht sind / Achtsamkeit auf Körperrhythmen hilft

Von Ursula Gräfen

Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Einatmen und Ausatmen - Rhythmus bestimmt das Leben. Auch der Körper hat eine rhythmische Ordnung. Sie ergebe sich daraus, daß Vorgänge, die entgegengesetzter Natur sind - etwa Vorgänge der Oxydation und der Verbrennung, des Substanzaufbaus, der Zellteilung -, zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden, weil sich diese Vorgänge sonst gegenseitig behindern würden, erklärt Dr. Frank Meyer, Hausarzt aus Nürnberg. "Rhythmus ist ein Element, das zwischen diesen polarischen Gegensätzen, zwischen aufbauenden und abbauenden Vorgängen vermittelt."

Bei gesunden Menschen sind die rhythmischen Vorgänge ausgeglichen. Das ist eine Grundlage der anthroposophischen Medizin. Wenn Menschen aus dem Rhythmus, aus der Balance gebracht würden, würden sie krank, sagt Meyer auf einer Veranstaltung des Unternehmens Weleda in Schwäbisch Gmünd. So sei bei Schichtarbeitern oder Krankenschwestern mit gestörten Zirkadianrhythmen und bei Piloten oder Flugbegleitern mit massiven Jetlag das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich erhöht.

Was Menschen aus dem gesunden Rhythmus bringt, ist Streß, genauer: Disstreß. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Streß. Der Ganzheitsmediziner spricht von Streß-Typen: "Wir nehmen unsere Außenwelt oft nur indirekt, durch den Spiegel der inneren Organe wahr. Dadurch erhält eine Situation ihre spezifische emotionale Färbung - je nachdem, ob eine Situation dazu führt, daß ,mir das Herz in die Hose rutscht‘, ,mir die Luft wegbleibt‘, ,mir was an die Nieren geht‘ oder ,mir die Galle hochkommt‘."

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