Orientieren Sie die Therapie an den
Lebensbedingungen Ihres Patienten!

Ärzte Zeitung, 10.12.2002
Ein Beitrag aus meiner Serie „Arzt und Patient als kompetente Partner“

Lebensstil-Medizin gewinnt in der Praxis immer mehr an
Bedeutung / Einstellungen sind wichtig, aber auch der kulturelle oder religiöse Hintergrund

Von Ursula Gräfen

Dreimal täglich eine Tablette zum Essen, ein häufiges Therapieregime - aber was macht ein Schichtarbeiter, der mal tags, mal nachts arbeitet? Was macht ein Muslim während des Ramadan? Und was macht jemand, der nur zweimal am Tag eine Mahlzeit zu sich nimmt, etwa abends nichts mehr ißt, weil er abnehmen möchte?

Lebensstil-Medizin ist ein neuer Begriff - nicht zu verwechseln mit dem schwammigen Begriff der Life-style-Medizin, der ebenfalls sehr en vogue ist. Lebensstil-Medizin bedeutet, das therapeutische Handeln an den emotionalen, geistigen, sozialen, kulturellen Lebensbedingungen der einzelnen Patienten zu orientieren. Und das ist ein Umdenken in der Medizin. Denn bisher setzt nach der Diagnose ein Automatismus ein: Dann steht die jeweils übliche Therapie an, sie wird dem Patienten erklärt und in der Regel auch gleich begonnen. Dabei geht es um die Befreiung von der Krankheit, im schlimmsten Fall nur von Symptomen - egal, ob die ausgesuchte Therapie zu den Lebensgewohnheiten des Patienten paßt oder nicht. Und der fügt sich - oder auch nicht.

In der Lebensstil-Medizin wird anders vorgegangen: Nicht der Patient wird an die Therapie angepaßt, sondern die Therapie an den Patienten. Dazu müssen zunächst einmal die Faktoren eruiert werden, die das Leben von Patienten bestimmen, ihre Lebenssituation und ihre Lebensgewohnheiten. Erst dann wird eine Therapie ausgewählt, die daran optimal angepaßt ist.

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