Colmar:
Die Perle des Elsaß ist eine Stadt der Kunst
Ein romantisches Freilichtmuseum ist die kleine
Stadt im Elsaß. Außerdem ist Colmar eine Stadt der Kunst,
die im Juli ganz im Zeichen der Musik steht.
Häuserzeilen mit Fachwerkfassaden, holprige
Gassen mit Kopfsteinpflaster, herrschaftliche Patrizierhäuser,
schmiedeeiserne Geschäfts- und Wirtschaftsschilder, überbordende
Blumenkästen: Ein romantisches Freilichtmuseum wird Colmar
in einem Reiseführer genannt.
Und das ist gut gesagt: Wer durch das Labyrinth
der Altstadtgassen der oberelsässischen Präfekturstadt
schlendert, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Es gibt
fast nur alte Häuser mit viel Charme. Das historische Zentrum
hat eine ungewöhnliche Einheitlichkeit bewahren können
und steht komplett unter Denkmalschutz.
Colmar ist klein und läßt sich gut
zu Fuß erkunden, die Altstadt ist eine der größten
Fußgängerzonen Europas. Besonders malerisch etwa ist
die Rue de la Poisonnerie, die dem Lauf des Flüßchens
Lauch folgt. Hier stehen kleine windschiefe Fachwerkhäuser,
jedes in einer anderen Farbe getüncht: "Petite Venise",
"Klein-Venedig" heißt dieses alte Stadtviertel,
das früher das Zentrum für Fischerei und Fischverkauf
war. Einziges Problem in dieser hübschen kleinen Stadt sind
die vielen Touristen im Sommer. Trotzdem läßt sich auch
dann das Freilichtmuseum Colmar genießen.

Colmar selbst nennt sich die Stadt der Künste.
Und auch das ist richtig. Berühmt ist die Stadt vor allem für
das Museum Unterlinden. In diesem ehemaligen Dominikanerinnen-Kloster
aus dem 13. Jahrhundert sind wahre Kunstschätze zu sehen: Gemälde
und Skulpturen, aber auch Kunstgewerbe des Mittelalters, der Renaissance
und der Moderne sind ausgestellt, darunter Werke von Cranach, Holbein,
Picasso und Renoir. Obwohl es sich unbedingt lohnt, auch diese anzuschauen,
kommen viele Besucher nur wegen des berühmtesten Schatzes des
Museums, des Isenheimer Altars, den Mathias Grünewald vermutlich
in der Zeit von 1512 bis 1516 für das nicht mehr existierende
Antoniterkloster im heutigen Issenheim geschaffen hat.
Ein ganzer Raum ist dem Altarbild gewidmet. Besucher
sollten sich viel Zeit nehmen (am besten auch einen Führer),
denn auf diesem einmaligen und kunstgeschichtlich bedeutenden Werk
gibt es sehr viel zu entdecken. Selbst medizinisch ist es interessant,
und noch heute kommen Medizinhistoriker mit ihren Studenten, um
ihnen die sogenannte "Mißgestalt mit den Schwimmfüßen"
auf der Altartafel "Die Versuchung des Heiligen Antonius"
zu zeigen: eine Gestalt mit grünen Beinen und schrecklichen
Schwären. Grünewald hat hier sehr realistisch einen Kranken
dargestellt, der vom Antoniusfeuer befallen war - also an Mutterkorn-Vergiftung
oder Ergotismus litt. Vergiftungen mit Secale cornutum, dem Mutterkornpilz,
waren im Mittelalter sehr häufig.
In den Antoniterklöstern wurden speziell diese Kranken gepflegt.
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Ursula Gräfen
Weiter siehe www.aerztezeitung.de
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