Orkney-Inseln

Zeitreise auf den Orkney-Inseln

Rechts und links von der Tür sind zwei Betten, in der Mitte ist der Feuerplatz, und gegenüber steht die Anrichte, eine Art niedriges Regal. So sieht es in jeder Hütte aus. Alles ist aus Stein - denn dies ist ein Steinzeit-Dorf, komplett mit Mobiliar: Steinzeit-Ikea.

"Skara Brae" ist gut 5000 Jahre alt. Etwa 600 Jahre lang ist das Dorf bewohnt gewesen. Skara Brae ist eine der ältesten neolithischen Siedlungen Europas, mit Sicherheit die besterhaltene. Das Dorf liegt an der Westküste von Mainland, der größten der schottischen Orkney-Inseln. Die Inseln sind ein archäologisches Freilichtmuseum. Denn Skara Brae ist nur eine von vielen prähistorischen und historischen Sehenswürdigkeiten. Orkney bietet sich für eine Zeitreise durch fünf Jahrtausende an.

So sind die Inseln geradezu bedeckt mit neolithischen Gräbern: Gut 80 Steinzeit-Kammergräber sind bisher auf Orkney gefunden worden.

Weltberühmt ist das wunderschöne Tumulus-Rundgrab "Maes Howe", das um 2800 vor Christus oder etwas früher gebaut wurde - möglicherweise von den Bewohnern von Skara Brae. Eine neun Meter lange niedrige Passage - Besucher müssen gebückt gehen - führt in die Innenkammer. Diese ist fast fünf Meter hoch, hat eine Kuppeldecke und drei kleine Seitenkammern.

Als man Maes Howe 1861 öffnete, war das Grab leer. Denn schon im zwölften Jahrhundert waren Wikinger zweimal eingebrochen und hatten alles ausgeräumt. Aber sie haben auch etwas hinterlassen: Die Wände sind bedeckt mit Runen - Wikinger-Graffiti. In diesem Steinzeit-Grab sind die meisten in Stein geritzten Runen der Welt.

Empfehlenswert, weil etwas bizarr, ist der Besuch eines anderen Kammergrabes: des "Tomb of the Eagle" auf der kleinen Insel South Ronaldsay, die durch Dämme und eine Straße mit Mainland verbunden ist. Das Grab ist im Besitz der Familie Simison, Besucher fahren auf deren Bauernhof und parken neben dem Misthaufen. In einem kleinen Museum erklärt dann ein Mitglied der Familie, was es mit dem Grab auf sich hat und was dort alles gefunden wurde. Die Ausstellungsvitrinen werden geöffnet, und die Besucher, auch die Kinder, bekommen die Grabfunde in die Hand.

Auch ins "Tomb of the Eagle" führt eine sehr niedrige Passage, hier haben die Simisons aber eine Art Wägelchen installiert, auf dem man sich rücklings in das Grab hineinziehen kann. Wem das zu sportlich ist, der kann auf allen Vieren hineinkriechen - für diese Besucher stehen in einem Plastikbehälter Knieschützer bereit.

Weiter in der Zeitreise: In der Eisenzeit, ab 500 vor Christus, entstehen auf Orkney Dörfer mit je einem Wohnturm. Brochs werden diese Türme genannt. Brochs gibt es nur in Schottland, auf Orkney allein 106. Die mörtellos gemauerten Türme waren mal zwischen fünf und 13 Metern hoch und sind oft ziemlich groß, der imposante Broch of Gurness auf Mainland etwa hat einen Durchmesser von 20 Metern.

Vom achten bis zum 13. Jahrhundert gehörten die Orkney-Inseln zum Wikinger-Reich. Auch die Wikinger haben einige sehenswerte Ruinen zurückgelassen, Reste von Burgen und Trinkhallen, aber vor allem von Kirchen, denn seit etwa 1000 waren die Orkney-Wikinger christianisiert. Aus der Wikinger-Zeit stammt auch die St.-Magnus-Kathedrale in Orkneys Hauptstadt Kirkwall auf der Hauptinsel Mainland. 1137 wurde mit dem Bau der schönen Kirche aus rotem und gelbem Sandstein begonnen. Kleine
Kuriosität am Rande: Bis 1154 gehörte Kirkwall zur Erzdiözese Hamburg.
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Ursula Gräfen


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